Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger, sehr geehrte Leser, sehr geehrte Journalisten,
bitte haben Sie Verständnis, dass ich bisher noch nicht meiner Aufgabe zur entsprechenden vollumfänglichen Information der
Medien nachkommen konnte. Nachfolgend möchte ich dies mit dieser Pressemitteilung tun.
Voranstellen muss ich allerdings, dass
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uns eine komplette Schadensbilanz immer noch nicht vorliegt und auch noch nicht vorliegen kann, da insbesondere noch viele
bauliche Prüfungen notwendig sind und wir noch nicht den kompletten Überblick haben, wie viele Haushalte insgesamt Ersatzwohnraum benötigen.
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Hieraus folgt auch, dass wir noch in keinster Weise Aussagen zum finanziellen Umfang der Schäden machen können –
jeder kennt das Sprichwort vom: „Fluch der ersten Zahl“!
Bisher kann ich Ihnen Folgendes mitteilen:
1. Stärke des Unwetters (aus Sicht eines meteorologischen Laien)
Bei diesem Unwetter, welches von Osten her herein zog, hatten wir am Sonnabend in den Mittagstunden binnen kürzester Zeit
Niederschlagsmengen bis zu 140 l/m² zu verzeichnen (offizielle Erhebungen stehen noch aus). Diese Niederschlagsmengen und die
sich hieraus ergebenden Wassermassen entsprachen Mengen über den Werten für sog. 100-jährige Hochwasser (Werte über Qn 100).
Logisch ist somit, dass weder die Vielzahl der Brückenbauwerke in einem klassischen Straßendorf, wie Cunewalde mit parallelem
Vorfluter (ca. 70), noch die tangierenden Ingenieurbauwerke diesen Wassermassen gewachsen sind. Den Wassermassen aber auch
nicht gewachsen war die schöne Cunewalder Wald- und Feldlandschaft auch überall dort, wo sie seit jeher komplett naturbelassen ist.
Dass ansonsten mit einem durchschnittlichen Wasserstand von 30 cm in einem größtenteils breiten Bachbett ruhig dahinfließende
Cunewalde Wasser nahm Pegelhöhen (offizielle Pegel gibt es an Gewässern 2. Ordnung nicht – als Richtwerte gelten die Höhen
von Brückendurchlässen) von 3,00 m und mehr an, auch die Nebenbäche erreichten Pegelhöhen von bis zu 1,50 m.
2. Die Folgen
Die Folge des derartigen Hochwassers ist eine großflächige Überflutung überall dort, wo der Verlauf des Cunewalder Wassers und
deren Nebenbäche weitestgehend naturbelassen ist, verbunden mit der Überflutung aller Baulichkeiten, die sich sowohl historisch
als auch seit jüngerer Zeit in diesem Bereich befinden. In vielen Bereichen, wo das Cunewalder Wasser nahezu parallel zur
Hauptstraße verläuft (ca. 5 km) und durch diese begrenzt wurde, wurde die Hauptstraße und die Oberlausitzer Straße im Ortsteil
Weigsdorf-Köblitz zum zweiten Bachbett. Der Höhenunterschied im Cunewalder Tal (ca. 400 m von den Quellgebieten bis 250 m
am Talausgang) führt zudem naturgemäß zu einer enormen Fließgeschwindigkeit.
3. Opfer und Verletzte
Gott sei Dank, haben wir keine Menschenleben zu beklagen, dies ist die wichtigste Nachricht.
Die Kameradinnen und Kameraden der Freiwilligen Feuerwehren und der weiteren Hilfskräfte haben unter dem Einsatz ihres
Lebens 5 Personen aus akuter Lebensgefahr gerettet, die sich selbst hätten nicht mehr retten können.
Es gibt keine Schwerverletzten. Zu verzeichnen sind mehrere Fälle von kleineren Verletzungen, die zum Teil direkt auf die
Flut und zum Teil auf Unfälle im unmittelbaren Zusammenhang mit Sicherungsmaßnahmen oder Rettungsversuchen im Zusammenhang
stehen, zum Beispiel: Armbrüche. Zwei Menschen wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Zahlreiche hilfebedürftige Personen
waren in ihrem Gebäude von den Wassermassen eingeschlossen. Nach sorgfältiger Abwägung entschied die Einsatzleitung,
hinsichtlich des Alters und des Gesundheitszustandes, in allen Fällen, wo keine Einsturzgefahr des Gebäudes drohte,
diese Personen in den Gebäuden zu belassen. Dies trifft zum Beispiel auch auf die älteste Bürgerin von Cunewalde,
Frau Marie Schneider zu, die im Herbst ihren 101-jährigen Geburtstag feiert und sich noch in einem relativ guten
Gesundheitszustand bei bester geistiger Verfassung befindet zu. Ihr Wohnhaus am Bahnhof im Cunewalder Ortsteil
Weigsdorf-Köblitz stand im Erdgeschossbereich ca. 40 cm unter Wasser.
4. Die materiellen Schäden
4.1. Überflutete Wohngebäude und Firmengebäude
Ca. 50 Wohn- und Gewerbegebäude des Cunewalder Tales in der Nähe des Cunewalder Wassers und der Nebenbäche wurden im
Erdgeschossbereich in Höhen bis zu 1,50 m binnen kürzester Zeit überflutet. Die Zahl der voll gelaufenen Keller ist nicht
ermittelt. Nach dem derzeitigen Stand sind mindestens 5 Wohngebäude und ein großes Gewerbeobjekt auf lange absehbare Zeit
nicht mehr bewohnbar bzw. nutzbar. Ob sich eine Sanierung technisch und von der Lage vom Gewässer her hin lohnt,
muss noch geprüft werden.
Ca. 20 weitere Gebäude sind die Erdgeschosse auf absehbare Zeit nicht mehr nutzbar. Welche Schäden zudem auslaufendes Öl
aus Heizungsanlagen, welche in das Cunewalder Wasser gelangte, in zahlreichen Gebäuden entlang des Gewässers angerichtet hat,
ist ebenso noch nicht ermittelbar.
Im Ortsteil Weigsdorf-Köblitz hat das Cunewalder Wasser im Bereich der Kleingartenanlage „Talaue“ eine Schneise der Verwüstung
hinterlassen. Die Bachböschung ist großflächig weggespült. Die Anlage selbst wurde nahezu komplett überflutet. Die Wege sind
nicht mehr vorhanden.
4.2 Öffentliche Gebäude
4.2.1 Gemeinde- und Bürgerzentrum
Das im Jahr 2007 aus einer vormaligen Industriebrache heraus sanierte Gemeinde- und Bürgerzentrum wurde bis zu einer Höhe
von 1,20 m komplett geflutet. Betroffen waren somit sämtliche in Parterre befindlichen Lagerräume, technische
Gebäudeeinrichtungen, Sozialanlagen und der Aufzug. Das Gebäude musste notabgeschalten werden und stand somit als
Einsatzzentrale nicht zur Verfügung.
Die Einsatzzentrale war jedoch bereits vorsorglich von vornherein im Feuerwehrgerätehaus an der Czornebohstraße eingerichtet.
Die Sachschäden am Gemeinde- und Bürgerzentrum können noch nicht beziffert werden. Da sich alle Verwaltungsräume im Erdgeschoss
(Hochparterre) bzw. im 2. und 3. Obergeschoss befinden, ist die Verwaltung wieder komplett arbeitsfähig mit Ausnahme einiger
kleinerer technischer Probleme (Aufzug außer Betrieb, Computernetz noch nicht voll funktionstüchtig, noch störanfällige
Telefonanlage). Vorplatz und Kellerräume sind weitestgehend von Müll und Schlamm beräumt.
Die Kreissparkassenfiliale ist komplett funktionstüchtig. Nur im sog. Wassergraben schwimmt der Unrat.
Der angrenzende Umgebindehaus-Park Cunewalde wurde wie durch ein Wunder komplett verschont, nur die Brücke über das Cunewalder
Wasser zum Park ist stark einsturzgefährdet.
4.2.2 Feuerwehrgerätehaus Czornebohstraße
Aufgrund der Fluten des Elzebaches drohte auch eine Überflutung des Feuerwehrgerätehauses. Diese blieb aus, da die Tore durch
Sandsäcke gesichert werden konnten und das wenige durchsickernde Wasser durch nach hinten geöffnete Türen abfloss. Dies war
wichtig, damit die Einsatzzentrale komplett in Betrieb blieb.
4.2.3 Haus des Gastes „Blaue Kugel“ & „Dreiseitenhof“
Betroffen war auch das Haus des Gastes „Blaue Kugel“. Die Flutwelle traf die „Blaue Kugel“, die auch am Cunewalder Wasser
liegt unmittelbar während der feierlichen Schuleintrittsfeier unserer Grundschule „Friedrich Schiller“.
Die Veranstaltung konnte nicht fortgeführt werden. Die Gäste waren nicht gefährdet, da sich der große Saal im 1. Stock befindet.
Viele Gäste konnten allerdings über lange Zeit nicht mehr nach Hause. Die Schuleintrittsfeiern fielen vielfach aus.
Das Gebäude selbst wurde im Gaststättenbereich, im Foyerbereich und im Bereich der Tourist-Information ebenso mit reichlich
Wasser versorgt. Wasserstandshöhen im Durchschnitt ca. 20 cm vor dem Gebäude, die sich zum Teil ihren Weg ins Innere suchten.
4.2.4 Sportplätze
Überflutet wurden beide Tennisplatz- und Freizeitsportanlagen in Weigsdorf-Köblitz und in Obercunewalde.
Stark in Mitleidenschaft gezogen wurde der große Sportplatz am Sportzentrum in Cunewalde durch die Überflutung des Bächleins
„Kalter Born“, welches enorme Massen an Geröll mit sich brachte.
4.2.5 Erlebnisbad Cunewalde
Mit voller Wucht traf der „Kalte Born“ anschließend verstärkt mit Geröll vom Sportplatz das Cunewalder Erlebnisbad,
welches unmittelbar darunter liegt.
Das Technikgebäude und die gesamte Badtechnik waren über Stunden komplett überflutet. Die gesamte Pumpen- und
Elektro- sowie Heiztechnik ist nicht mehr einsatzbereit. Die Becken und die Außenanlagen sind komplett verschlammt.
Die bestehenden Entwässerungsleitungen und Drainageleitungen haben große Schäden und Einbrüche erlitten.
Das Cunewalder Erlebnisbad muss definitiv in diesem Jahr geschlossen bleiben. Die Schadensbeseitigungskosten und die
Schadensbeseitigungsdauer können nicht abgeschätzt werden. Es ist von mehreren 100.000 € auszugehen.
5. Versorgung/Medien/Öffentliche Verkehrsinfrastruktur
Dank der hervorragenden Arbeit des Betriebsführers SOWAG Zittau, die selbst massiv an ihrem Sitz vom Hochwasser betroffen war,
konnte die Wasserversorgung über den gesamten Zeitraum aufrechterhalten werden, obwohl das Wasserwerk im OT Klipphausen
zwischenzeitlich überflutet wurde. Die Trinkwasserqualität war zu jeder Zeit gesichert. Der Abwasserzweckverband „Obere Spree“
hat zahlreiche Schäden an Pumpwerken und Ortssammlern zu verzeichnen, die teilweise weggespült oder freigespült wurden.
Im Gelände der Spedition Posselt im Ortsteil Weigsdorf-Köblitz liegt der Schmutzwasserhauptsammler des Cunewalder Tales,
der parallel zum Cunewalder Wasser verläuft, teilweise frei.
Das genaue Ausmaß der Schäden an öffentlichen Straßen, Brücken und Stützmauern und Uferbefestigungen wird immer noch ermittelt,
da mit sinkendem Wasserstand am Montag, dem 09.08.2010 weitere Schäden hervorgetreten sind.
Die größten zurzeit sichtbaren Schäden sind u.a.:
- eingestürzte und zum Teil weggespülte Stützmauern des Cunewalder Wassers,
unmittelbar angrenzend an Wohngebäude (Einsturzgefährdung von mindestens 4 Gebäuden)
- ein in mehreren Teilabschnitten von jeweils 50 m bis weit über 100 m Länge komplett
zerstörbarer Erlenweg (komplett gesperrt)
- komplett weggespülte Stützmauern mit komplett unterspülter Straße im Bereich des Uferweges
- komplett weggespült und bisher mit Schotter befestigte Straße im Ortsteil Schönberg/
Richtung Herrnsberg“ (ohne Namen) mit ca. 6 angrenzenden Gebäuden
- an zahlreichen Brücken sind die Widerlager unterspült, ihre Weiternutzung wird zurzeit
komplett geprüft; einige kleinere Brücken sind gesperrt; einige weitere Brücken sind
aufgrund der Unterspülung der Widerlager nur sehr eingeschränkt nutzbar
Massive Schäden waren zudem im Bereich der laufenden Baumaßnahme Stützmauer 2 der S 115 in Obercunewalde/Höhe Lichthaus Kahl
zu verzeichnen. Hier sollten nach jahrelangen gemeinsamen Anstrengungen endlich eine bereits einsturzgefährdete Stützmauer
neu errichtet werden.
Das Straßenbauamt Bautzen als Baulastträger der Staatsstraße S 115 erarbeitet zurzeit eine Übersicht über die entstandenen
Schäden an Stützmauern und Widerlagern. Zahlreiche Stützmauerabschnitte der S 115 sind unterspült.
Noch schlimmer als die Talaue betraf es im Cunewalder Ortsteil Weigsdorf-Köblitz den Bereich des Straßenzuges „Zur Rabinke“.
Dieser Bereich ist neben dem Erlenweg seit jeher der noralgischste Punkt im Cunewalder Tal, da er einen sehr engen
Taleinschnitt darstellt.
Hier wurde die Hochwassersituation zudem durch die Wassermassen des Teilwassers, die zum Teil über den Weigsdorfer
Teich (größter und schönster Teich im Cunewalder Tals) direkt die Straße „Zur Rabinke“ fluteten, noch verschärft.
Die Fahrbahnen sind größtenteils noch vorhanden. Es existieren jedoch kaum noch Uferbefestigungen.
6. Öffentlichkeitsarbeit/Spenden
Die Einwohner des Cunewalder Tales und die vielen Freunde unserer Gemeinde wissen, dass wir nach wie vor ein Problem mit
fehlender Breitbandversorgung haben (fehlendes DSL). Für alle Interessierten, werden wir jedoch selbstverständlich auf
unserer Homepage umfangreichstes Bildmaterial zum downloaden zur Verfügung stellen. Wir werden dies schrittweise noch
mit Erläuterungen versehen.
Dieses Bildmaterial ist für die vielen Menschen bestimmt, die sich dienstlich und privat für uns interessieren und auch
sehr interessiert haben. Insbesondere ist es auch bestimmt, für die vielen früheren Cunewalder Bürger, die sich für ihre
Heimat interessieren und vielleicht wieder in ihre Heimat zurückkehren möchten.
Das Thema „Cunewalder komm zurück!“ ist nach wie vor genauso aktuell.
Denken wir gemeinsam daran, Katastrophen kommen und gehen, die anschließende Bewältigung schweißt die Bürgerschaft zusammen
und zeichnet ein funktionierendes Gemeinwohl aus!
7. Danke
Wir wissen, dass andere Gemeinden unserer Oberlausitzer Heimat noch viel stärker betroffen wurden und wir wissen auch,
dass sich über die Jahrzehnte und Jahrhunderte die Schicksalsschläge ausgleichen, ähnlich wie
Schiedsrichterfehlentscheidungen beim Fußball!
Wir freuen uns über jede Hilfe, die uns zuteil wird. Wir bedanken uns daher recht herzlich bei den vielen unzähligen
Helfern, die uns während der Katastrophe und bei der Bewältigung der Katastrophe unterstützt haben, allen voran natürlich
bei den Kameraden der Gemeindewehr Cunewalde mit ihren Feuerwehren Cunewalde, Weigsdorf-Köblitz und Schönberg, die pausenlos
im Einsatz waren. Wir bedanken uns auch bei den vielen Feuerwehrkameraden anderer Wehren, die uns aus dem ganzen
Kreisgebiet unterstützt haben, insbesondere bei den Kameradinnen und Kameraden der freiwilligen
Feuerwehren Großdubrau, Crosta, Bischofswerda, Neschwitz und den Kameraden des THW.
Viele Helfer und Kameraden waren pausenlos im Einsatz, obwohl ihre eigenen Anwesen von der Flut betroffen waren.
Wir bedanken uns auch, für die vielzähligen weiteren Hilfsangebote für materielle und logistische Dienstleistungen,
ebenso wie für die bereits begonnene großzügige Spendenbereitschaft.
Die Gemeinde hat unter ihrer bekannten Kontonummer bei der Kreissparkasse Bautzen Konto-Nr.: 1000100100
BLZ 855 500 00 ein Spendenkonto eingerichtet. Unter dem Verwendungszweck: „Fluthilfe“ nehmen wir gern Ihre Spenden entgegen.
Selbstverständlich erhalten Sie eine Spendenquittung. Sie können natürlich auch den Zweck der finanzielle Spende noch weiter
konkretisieren.
Gern können Sie uns auch privates Bildmaterial zur Verfügung stellen (Bitte auf CD wegen dem DSL-Problem!)
Vorzugsweise nehmen wir gern Bildmaterial von Betroffenen, Helfern und Journalisten entgegen.
Touristen jeglicher Art steht im Cunewalder Tal bei schönem Wetter, wie auch bei Katastrophen, jederzeit jede Tür offen,
schließlich sind wir „Staatlich anerkannter Erholungsort“. Sollten Touristen ausschließlich Cunewalde nur besucht haben,
um etwas „Action“ zu haben und private Bilder zu schießen und keine Cunewalder Gaststätten am Sonntag besucht haben,
wäre es schön, wenn der eine oder andere dieser landläufig als Katastrophentourist bekannten Gäste
(es gibt in jeder Stadt und Gemeinde, natürlich auch bei uns eigene Bürger, die nur als Gäste fungieren)
zumindest in Form einer Spende für die Betroffenen uns unterstützen könnten.
Thomas Martolock
Bürgermeister